American Capital

Hauptstadt Washington USA 

Hurrikan Earl stört Washington weniger als Haie

Die Aufregung um die beiden Haie, die südlich von Washington im Potomac gefangen wurden, ist größer als die wegen des Hurrikans Earl.

Der Himmel ist bewölkt, und man ist dankbar dafür. Die Temperaturen liegen 10 Grad Fahrenheit unter den gestrigen.

Von Wetter und Haien lenkt auch der bevorstehende Tag der Arbeit ab. Der Labor Day wird am Montag gefeiert. Das bedeutet für viele ein langes Wochenende. Wer wegen Earl vom Atlantikstrand heimkehren musste, überlegt sich, morgen wieder hinzufahren. Dann soll der Hurrikan schon längst in New York und Neuengland sein.

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New Yorker Gaststätten drängen nach Washington

In New York City verdienen sie nicht genug, also tauchen Restaurants von dort in Washington auf. Mieten sind hier niedriger. Für Umsatz sind reiche und zahlreiche Kunden vorhanden. Fragt sich nur, ob diese noch Appetit auf mehr haben.

In Washington herrscht nämlich kein Gaststättennotstand. Für jeden Geschmack, vom äthiopischen Schleimbrot bis zu gegrillten Grillen, finden sich Anbieter in der amerikanischen Hauptstadt.

Hoffentlich verbraten diese New Yorker nicht die Gelder ahnungsloser Anleger.

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Sonderampel mit Benutzerhandbuch für Radfahrer

Der Bürgermeister fährt fanatisch Rad und übertreibt seine Vorliebe so, dass er selbst auf Kosten des Steuerzahlers, nicht ganz legal, seinen Sport treibt.

Er segnet die Hauptstadt Amerikas auch mit Radwegen. Doch wenn es wirklich Radwege wären! In Wirklichkeit handelt es sich um weiße Streifen auf den Straßen, die den Verkehr trennen sollen.

Einen echten Radweg richtete er auf der 15th Street NW ein. Er verläuft in die Nord-Süd-Richtung. Nach Norden fahren ist verboten. Der Weg auf dieser Einbahnstraße besteht aus dem Parkstreifen. Autos müssen in die 2. Spur gestellt werden. Zum Glück hat die Straße genug Spuren. Daher kann man halbwegs sicher in den Süden radeln.

Die neueste Verwirklichung des Traumes von Bürgermeister Fenty ist eine neue Ampel an der 16th Street, NW, die zum Weißen Haus führt. Die Ampel verwirrt Radfahrer. Daher gibt die Stadtverwaltung eine Broschüre heraus, die die Ampel erklärt.

Wer sie liest, sagt die Stadt, versteht den Bürgermeister.

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Das tropische Gewitter in Washington: Gewöhnungsbedürftig

An die kurzen, schweren Gewitter im Raum Washington muss man sich erst gewöhnen. Jetzt geht gerade eins nieder.

Die Folgen kennt man:

  • Überschwemmungen, die in Virginia und Maryland öfter mal ein schweres Auto wegwaschen.
  • Bäume auf den Gleisen der U-Bahn, die den Verkehr anhalten.
  • Stromausfälle wegen fallender Strommasten und Bäume.
  • Wasserpumpenausfälle infolge der Stromausfälle.
  • Tornadowarnungen, und manchmal Tornados.
  • Baumelnde Ampeln ohne Strom.


Ein Notstromgenerator und Verlängerungskabel erweisen sich gerade in den Vororten als nützlich. Die Gewitter kommen typischerweise nachmittags am Wochenende während einer Gartenparty nieder. Oder wenn man gerade den Kühlschrank für die nächste Woche vollgepackt hat.

Da reicht es nicht, wenn der Stromversorger eine Lösung bis zum nächsten Morgen verspricht. Zumal man sich nicht darauf verlassen kann. Mindestens alle paar Jahre erlebt man einen mehrere Tage dauernden Stromausfall. Vor allem in baumreichen Bezirken, wenn die ganze Nachbarschaft erst einmal freigesägt werden muss.

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Das Grill- und Nachtruherecht in den USA

Grillen, Dünste und Nachtruhe finden bei Nachbarn und Juristen erhebliche Aufmerksamkeit - in Deutschland. Selbst Fachaufsätze und Zeitungen widmen sich ausgiebig den Themen.

Ist es in den USA anders? Klagen kann man sich kaum leisten; Rechtsschutzversicherungen gibt es nicht. Ergo gibt es vielleicht Streit unter Nachbarn, aber kein umfangreiches Rechtsmaterial, an dem sich Juristen und Medien hochhangeln können. 

Den Ärger schluckt man runter - oder man feiert mit. Im Raum Washington ist es meist ohnehin so heiß, dass man den schwitzenden Griller im Garten eher bedauert. Die Fenster sind geschlossen. AC sorgt im Haus für frische atmenswerte Luft. Die Dünste sind eher die eigenen. Auch sie werden gefiltert.

Und die Nachtruhe? Wenn die Nachbarin um 4 Uhr früh mit ihrem Wii Karaoke übt? Der Gegenüber am Sonntagmorgen um 6 Uhr den Rasenmäher oder Blätterbläser anwirft?

Vielleicht bestimmt eine Hausordnung etwas. Oder die Satzung eines Häuserblocks verbietet die Störung. In stark reglementierten Neubaugegenden soll sogar der Verstoß gegen Flaggenverbote und durch falsch bemalte Briefkästen gerügt worden sein.

Solche punktuellen Regelungen - so bös und überraschend sie auch wirken mögen - führen jedoch nicht zu allgemein gültigen Erkenntnissen.

Wer Ärger befürchtet, lädt ein. Wer sich nicht ägern will, gesellt sich hinzu. Die Karaoke-Nachbarin könnte das allerdings missverstehen. Da bleibt nur der Schuss mit dem AK-47 durch die Decke oder Tür. Der Supreme Court gibt ja neuerdings jedem einen Waffenschein.

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Neu in Washington? Der Fashion Faux Pas

Washington kleidet sich konservativ. Darin ist man sich einig. Jede Minute könnte ein Botschafter, Senator, Minister oder CEO im Büro erscheinen. Deshalb bleibt man auch am Casual Friday vorsichtig.

Wer neu in Washington eintrifft, rechnet nicht damit - erst recht nicht ein Ausländer. Superkurze Mini-Jeans in einer Washingtoner Auslandsvertretung erinnern Amerikaner an straffreie Prostitution in Las Vegas, nicht an eine lockere Büroatmosphäre.

Wer ohne Jacket - als Mann oder Frau - zum Metro Club eingelassen und in einen Nebenraum geführt wird, kann die nächste Einladung vergessen, gleich wie herzlich das Luncheon verläuft.

Schon als Praktikantinnen zerbrechen sich Amerikanerinnen den Kopf, wie sie den Big Fashion Faux Pas vermeiden - und wie man andere diskret und unverletzend auf einen vermeidbaren Verstoß gegen die meist ungeschriebene Kleiderordnung hinweist.

Was Frauen bei Corporette als Problem erkennen und ausgiebig erörtern, trifft jedoch auch Männer. Ihre Uniform besteht aus dem fast immer dunklen, niemals karierten Anzug samt passender Krawatte, einfarbigem Hemd und festen Schuhen. Einstecktücher und Manschettenknöpfe passen nur, wenn sich jemand partout als schwul outen will. Das wirkt in Washington jedoch alt, weil seit Jahrzehnten ganze Stadtteile dazu Gelegenheit bieten.

Der schwülheiße Sommer stellt Männer wie Frauen vor besondere Herausforderungen. Bequem ist niemand den ganzen Tag - bei Hitze auf der Straße und bei eisiger Kälte in Büro oder Restaurant. Viele ziehen sich während des Tages um. Männer dürfen hellere Anzüge tragen. Früher waren es nur blau-weiß-gestreifte Seersucker, heute ist mehr erlaubt. Selbst eine Sakkokombination kann in manchen Firmen durchgehen.

Als Ausländer darf man auf Toleranz hoffen, doch nicht damit rechnen. Ein wenig schräge Vögel sind sie ja, vor allem die Europäer, signalisieren die Amerikaner. Solange sie es nicht übertreiben, nehmen sie auch an einer extravaganten Brille oder einer Männerhandtasche nicht allzu sehr Anstoß.

Nur werden ihre Träger nicht ganz ernst genommen.

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Rattenplage in Washington

In den Vorstädten der Hauptstadt fressen die Rehe die teuersten Pflanzen. Ratten sieht man seltener, obwohl sie weit verbreitet sind. Wie eine Ratte vermehrt sich das Eichhörnchen. Es ist sichtbarer als die Ratte.

In der Innenstadt leben auch überall Eichhörnchen und machen sich frech an Gärten und Touristen heran. Frech sind auch die Ratten. Auf den Straßen sieht man sie ebenso wie in den Alleys, die die Hinterhöfe durchkreuzen.


Schicksalsschlag


Die Stadtverwaltung sendet Kammerjäger durch die Wohngegenden. Bürger wehren sich auch mit Petitionen, Gift und Fallen. Für Fallen braucht man die stärksten Nerven, für Petitionen die meiste Geduld, denn eine Sonderbekämpfungsaktion erfordert nicht nur das Tätigwerden der Verwaltung, sondern auch die Beteiligung aller Nachbarn.

 

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Das Kapital stank am Kapitol, doch das Kapitol stank stärker

Im Kapitol regiert das Kapital. Es hält sich an die Spielregeln und kann sich bei Bedarf Volksvertreter kaufen. Als BPs Chef Hayward heute unter Eid im Kongress vernommen wurde, beachtete er eine wichtige Regel: Ausweichende Antworten, die die Abgeordneten ärgern, sind keine Lügen.

Mehr kann der Kongress kaum erwarten. Er will den BP-Chef zwar prügeln, aber nicht ins Gefängnis werfen. Dass Hayward ohne Anwalt erschien, war mutig. Vielleicht ist es ihm ernst, die Golfkrise zu meistern. Vielleicht wollte er Demut zeigen und sich für seinen Laden als Büßer opfern. Ganz allein erscheint heutzutage kaum ein Zeuge zur Vernehmung.

Die Schandtat des Tages kam aus den Reihen der Abgeordneten. Da entschuldigt* sich doch tatsächlich einer für den Druck, dem BP ausgesetzt wird, um die Verseuchung am Golf - wo schließlich der Ausgangspunkt für den Untergang der Dinosaurier liegen soll - einzudämmen und den Schaden zu ersetzen.

Im Namen des geschädigten Volkes genießt dieser Volksvertreter ein Luxusleben auf dem Capitol Hill, zahlt 500 Dollar jährlich in die Krankenkasse, hat die beste Gesundheitsversorgung der Welt und kann sich von Wahlkampfspendern Schecks an den Gürtel stecken lassen. Wer so in der Tasche des Kapitals steckt, hätte an diesem Tag besser den Mund halten sollen. 

Ganz unerwartet stank heute nicht das Kapital zum Himmel, sondern ein lautstarker Oppositionsbänkler.

* Nachtrag: Für die Entschuldigung hat er sich später entschuldigt.

 

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Washingtons heißbegehrter Platz im Schatten

Die Wüstenhitze im Irak ist nichts im Vergleich zum Washingtoner Sommer. Ihm fällt sogar der durchtrainierte General Petraeus zum Opfer. Heute brach er im Kongress zusammen, der Held, der sogar einen Schuss durch die Lunge überlebt hatte.

Wer nach Washington zieht, muss sich die Wohnlage gut aussuchen. Schwül ist es in der gesamten Region, doch an manchen Orten weniger als an anderen. Gewalt ist nur punktuell von Bedeutung, obwohl man von ihr oft gerade im Ausland hört.

Im District of Columbia selbst spielt das Verbrechen im Tagesleben kaum eine Rolle, wenn man nicht gerade dort wohnt, wo es gehäuft zu Tage tritt - besser: zur Nacht erscheint. Neben den traditionell sicheren Wohngegenden westlich der Connecticut Avenue sind heute zahlreiche andere Wohngegenden recht gewaltbefreit.

Die Polizei hat unter der Leitung der engagierten Chefin Lanier enorme Fortschritte gemacht. Daher ziehen aus den Vororten und den Außenbezirken Washingtons viele in die mit traditionsreicher Architektur gesegneten Wohnbezirke um den Dupont Circle, in Chinatown, am Kapitol oder südlich der U Street entlang der 16th Street zum Weißen Haus.

Selbst Regionen wie Adams Morgan und Columbia Heights nördlich der Florida Avenue, die besonders das Nachtleben an sich ziehen und früher öfter von Gewalt und Ghettomentalität geprägt waren, ziehen Bewohner an, die ihre Büros im Downtown-Bereich auch zu Fuß oder mit dem Rad erreichen wollen.

Zurück zum schwülheißen Sommer: Als es keine Klimaanlagen gab, zog, wer es sich leisten konnte, in höher gelegene Randbezirke und Vororte wie Takoma Park und Chevy Chase. Um die vorherige Jahrhundertwende wurde viel im viktorianischen Stil und oft großzügig gebaut. Wer kauft oder mietet, erhält dort mehr Wohnung und meist auch Land für sein Geld.

Land - mit anderen Worten ein Parkplatz und etwas Garten - ist in der Innenstadt zwischen U Street und Massachusetts Avenue eher ein Luxus. Andererseits vermissen nicht alle Bewohner der Innenstadt solche Annehmlichkeiten. Die U-Bahn versorgt sie fabelhaft und sicher. Grün ist die Hauptstadt der USA in vorbildlicher Weise.

Alleen mit reichem und altem Baumbestand finden sich überall in Washington. Parks öffnen die Aussicht fast an jeder dritten Kreuzung, wenn auch nicht immer so großzügig wie die National Mall mit ihren zahlreichen Museen oder der klassische Meridien Hill Park an der sechzehnten Straße und der Florida Avenue.

Selbst im heißestem Sommer kann hier jeder seinen Platz im Schatten finden. Niemand muss mehr - wie noch vor hundert Jahren - die Familie im Sommer an den zwei Stunden entfernten Atlantikstrand oder in die nahen Berge um das Shenandoah Valley senden.

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Investitionen in die Washingtoner Umwelt

Christophe Tulou wird der neue Umweltchef in Washington, berichtet das Washington Business Journal. Er braucht Glück und Geld.

Geld erhält er durch die neue Taschensteuer, die die Hauptstadt auf Plastiktüten erhebt. Allerdings erreichen die Einnahmen nicht die Erwartungen, weil der Tütenumsatz drastisch abnimmt.

Das war auch das Ziel der Steuer. Weniger Tüten sollten in den zweitgrößten Fluss in Washington gelangen, den Anacostia River, damit er sich endlich erholen kann. Seine Qualität ist bedauernswert, weit abgeschlagen vom Rock Creek und dem Potomac.

Die Umwelt macht jedoch Fortschritte. Nicht nur ziehen internationale Organisationen wie Eologic Institute nach Washington. Durch den persönlichen, manchmal übertriebenen Einsatz von Oberbürgermeister Fenty steht Washington beim Zuwachs von Radwegen - meist nur Pinseleien auf den Straßen - an erster Stelle.

Im bereits überdurchschnittlich, den Besucher überraschend grünen Washington werden noch mehr Bäume gepflanzt. Auf dieses Fundament kann Tulou bauen. 


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