Die Wüstenhitze im Irak ist nichts im Vergleich zum Washingtoner Sommer. Ihm fällt sogar der durchtrainierte General Petraeus zum Opfer. Heute brach er im Kongress zusammen, der Held, der sogar einen Schuss durch die Lunge überlebt hatte.
Wer nach Washington zieht, muss sich die Wohnlage gut aussuchen. Schwül ist es in der gesamten Region, doch an manchen Orten weniger als an anderen. Gewalt ist nur punktuell von Bedeutung, obwohl man von ihr oft gerade im Ausland hört.
Im District of Columbia selbst spielt das Verbrechen im Tagesleben kaum eine Rolle, wenn man nicht gerade dort wohnt, wo es gehäuft zu Tage tritt - besser: zur Nacht erscheint. Neben den traditionell sicheren Wohngegenden westlich der Connecticut Avenue sind heute zahlreiche andere Wohngegenden recht gewaltbefreit.
Die Polizei hat unter der Leitung der engagierten Chefin Lanier enorme Fortschritte gemacht. Daher ziehen aus den Vororten und den Außenbezirken Washingtons viele in die mit traditionsreicher Architektur gesegneten Wohnbezirke um den Dupont Circle, in Chinatown, am Kapitol oder südlich der U Street entlang der 16th Street zum Weißen Haus.
Selbst Regionen wie Adams Morgan und Columbia Heights nördlich der Florida Avenue, die besonders das Nachtleben an sich ziehen und früher öfter von Gewalt und Ghettomentalität geprägt waren, ziehen Bewohner an, die ihre Büros im Downtown-Bereich auch zu Fuß oder mit dem Rad erreichen wollen.
Zurück zum schwülheißen Sommer: Als es keine Klimaanlagen gab, zog, wer es sich leisten konnte, in höher gelegene Randbezirke und Vororte wie Takoma Park und Chevy Chase. Um die vorherige Jahrhundertwende wurde viel im viktorianischen Stil und oft großzügig gebaut. Wer kauft oder mietet, erhält dort mehr Wohnung und meist auch Land für sein Geld.
Land - mit anderen Worten ein Parkplatz und etwas Garten - ist in der Innenstadt zwischen U Street und Massachusetts Avenue eher ein Luxus. Andererseits vermissen nicht alle Bewohner der Innenstadt solche Annehmlichkeiten. Die U-Bahn versorgt sie fabelhaft und sicher. Grün ist die Hauptstadt der USA in vorbildlicher Weise.
Alleen mit reichem und altem Baumbestand finden sich überall in Washington. Parks öffnen die Aussicht fast an jeder dritten Kreuzung, wenn auch nicht immer so großzügig wie die National Mall mit ihren zahlreichen Museen oder der klassische Meridien Hill Park an der sechzehnten Straße und der Florida Avenue.
Selbst im heißestem Sommer kann hier jeder seinen Platz im Schatten finden. Niemand muss mehr - wie noch vor hundert Jahren - die Familie im Sommer an den zwei Stunden entfernten Atlantikstrand oder in die nahen Berge um das Shenandoah Valley senden.
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